SODADE (2015)

Krieg, Naturkatastrophen und Armut zwingen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Neben einer schlichten Notwendigkeit, ist da auch immer eine Sehnsucht – die Hoffnung, an einem sicheren Ort ankommen zu dürfen. Gleichzeitig ist da aber auch die Sehnsucht nach den geliebten Menschen, die zurückgelassen wurden. Nach dem vertrauten Geruch der Wohnung, der Hütte, des Zeltes, in dem man gewohnt hat. Nach den Strukturen, die einen Alltag ermöglicht haben.

Auf den Kapverden, einer Ansammlung von Inseln vor der Küste Afrikas, hat sich diese sehr vielschichtige Gemütslage von Sehnsucht in dem Wort Sodade manifestiert. Mit dem Ende der Kolonialzeit und der Ära der Dampfschifffahrt, fiel der Zwischenstop auf dem Weg von Europa nach Südamerika irgendwann weg. Damit auch einige Erwerbsquellen der Inselbewohner. Als dann zudem der Regen immer häufiger ausblieb, verließen immer mehr Kapverdianer ihre Inseln. Manche kehrten ihrer Sehnsucht folgend wieder auf die Inseln zurück – dieser bidirektionale Migrationsstrom hat bis heute angehalten.

Es ist die Suche nach einer greifbaren Identität, die vor allem in der kapverdischen Musik transportiert wird – in der tieftraurigen Morna beispielsweise. Sodade wäre allerdings mit Traurigkeit nur unzureichend übersetzt – sie birgt viel mehr einen späten Reflex der Versklavung und Ausdruck der Sehnsucht nach einem unbenennbaren Ursprung. Sie richtet sich auf das "weit entfernte Land", wie es auch Cesaria Evora besingt. "Wir kennen den geografischen Ort dieser terra longe nicht", vielleicht ist es Afrika. Es ist nicht nur das Land der Emigration, sondern zugleich das verlorene Land. Selbst wenn wir kein klares Bewusstsein mehr davon haben, ein Volk von Sklaven zu sein, unsere Seele und unsere Art zu singen, beruhen auf dieser Irrfahrt."

Meine fotografische Arbeit und eine Installation (eine Klangcollage von MARIAN LUFT, verstärkt durch ein Tritonshorn) gehen diesem Klang Sodade nach.