PLATTE MACHEN

Hubert wohnt hinter der alten Konzertmuschel. Zwischen der Hagebuttenhecke und dem Eingang vom öffentlichen WC. Setzt er sich auf seiner Isomatte auf, kann er weit über den See blicken. „Ich bin nicht gescheitert“, sagt er. „Da gabs keine Abwärtsspirale oder Ohnmacht oder so. Ich habe mir das gut überlegt. Wenn ich morgens aufwache, der Raureif Fäden über meinen Schlafsack gesponnen hat und sich der Nebel über dem See auflöst, bin ich glücklich.“

Coco geht „Platte machen“. Mal in Berlin irgendwo, mal in Hamburg aufm Kiez. Da steht ein Zelt und ganz viel anderes Zeug. Passanten gehen vorbei und glotzen. Er hat noch viel vor. Das ist nur eine Phase. Eine gute Phase. Feiern und angeklatscht sein. So hat er auch seine Freundin kennengelernt. „Ich hatte ganz dreckige Hände und der Funke ist trotzdem hin und her geflogen.“

Cinderella lässt Blütenblätter durch ihre Hand rieseln, von der alten Schlehe unter der Brücke. „Das ist mein Pool“, sagt sie und zeigt lachend Richtung Kanal. Im Sommer fahren sie zurück nach Barcelona. Dort wohnen sie am Strand. „Genauso ordentlich wie hier ist es da, wir räumen jeden Morgen auf.“ Sie freut sich auf das Meer. Und dann fragt sie mich mit ernster Miene: „Was ist ein Zigeunerschnitzel?“.

Olaf´s Bank wurde abgefackelt. Er schlief 7 Jahre unter seiner Bank. Die Plastikplane sah aus wie eine skurrile Skulptur, ganz zusammengeschmolzen. Er lässt sich nicht unterkriegen – ein Stückchen weiter stellt er ein Zelt auf. Abends grillen Hipster daneben. „Die nehmen zum Glück ihren Müll wieder mit“, sagt er. Im Herbst findet er nachmittags das Zelt aufgeschlitzt vor. „Ich lass mir den schönen Platz hier nicht wegnehmen“, murmelt er. „In geschlossenen Räumen kann ich nicht atmen. Hier fühle ich mich wohl.“